Steuervorteile bei Vermietung: AfA, Werbungskosten & Spekulationsfrist
Das Finanzamt übernimmt bei vermieteten Immobilien einen erheblichen Teil der Kosten — wenn du die richtigen Stellschrauben kennst. Dieser Ratgeber erklärt alle relevanten Steuervorteile für Vermieter: AfA, Zinsenabzug, Werbungskosten und den steuerfreien Verkauf nach 10 Jahren.
Inhalt
- 1. AfA — die Abschreibung auf das Gebäude
- 2. Zinsenabzug — das unterschätzte Werkzeug
- 3. Werbungskosten: Was alles absetzbar ist
- 4. Verluste aus Vermietung steuerlich nutzen
- 5. Spekulationsfrist: Steuerfreier Verkauf nach 10 Jahren
- 6. Renovierung & Instandhaltung: Was wann absetzbar ist
- 7. Rechenbeispiel: So viel sparst du wirklich
- 8. Häufige Fragen
1. AfA — die Abschreibung auf das Gebäude
Die AfA (Absetzung für Abnutzung) ist der bedeutendste Steuervorteil für Vermieter. Du kannst jedes Jahr einen festen Prozentsatz des Gebäudewerts als Werbungskosten absetzen — ganz ohne tatsächliche Ausgaben. Das Gebäude wird steuerlich als sich abnutzend behandelt, auch wenn es real an Wert gewinnt.
Die aktuellen AfA-Sätze 2026:
| Gebäudetyp | AfA-Satz | Abschreibungsdauer |
|---|---|---|
| Bestandsgebäude (Baujahr bis Ende 2022) | 2,0 % p.a. | 50 Jahre |
| Neubau (Fertigstellung ab 01.01.2023) | 3,0 % p.a. | 33 Jahre |
| Denkmalschutz-Objekte | 2,5–9 % p.a. | Gestaffelt nach § 7i EStG |
Wichtig: Die AfA wird auf den Gebäudewert berechnet, nicht auf den gesamten Kaufpreis. Der Grundstücksanteil wird nicht abgeschrieben. In teuren Lagen (München, Frankfurt) kann der Grundstücksanteil 30–50% des Kaufpreises ausmachen, in B- und C-Lagen oft nur 15–25%.
Rechenbeispiel: Wohnung für 200.000 €, Grundstücksanteil 20% (40.000 €), Gebäudewert 160.000 €. AfA bei 2%: 3.200 € / Jahr steuerlicher Abzug — ohne einen Euro auszugeben.
2. Zinsenabzug — das unterschätzte Werkzeug
Die Darlehenszinsen für eine vermietete Immobilie sind als Werbungskosten vollständig absetzbar. Das ist einer der stärksten Steuereffekte, die es im deutschen Steuerrecht gibt.
Bei einem Darlehen von 150.000 € zu 3,5% Zinssatz zahlst du im ersten Jahr etwa 5.250 € Zinsen. Bei einem Grenzsteuersatz von 42% erstattet dir das Finanzamt davon 2.205 € — fast die Hälfte.
Aber Achtung: Nur die Zinsen sind absetzbar, nicht die Tilgung. Die Tilgung ist kein Aufwand, sondern Vermögensaufbau (du baust Eigenkapital auf). Das macht Finanzierungen mit niedrigerer Anfangstilgung aus steuerlicher Sicht kurzfristig attraktiver — auf Kosten einer längeren Laufzeit.
3. Werbungskosten: Was alles absetzbar ist
Als Vermieter kannst du eine Vielzahl von Kosten als Werbungskosten beim Finanzamt geltend machen. Alle folgenden Ausgaben mindern direkt deine steuerpflichtigen Mieteinnahmen:
- ✓Darlehenszinsen (nicht Tilgung)
- ✓Bereitstellungszinsen
- ✓Vorfälligkeitsentschädigungen bei Umschuldung
- ✓Hausverwaltungsgebühren
- ✓Steuerberatungskosten (anteilig)
- ✓Kontoführungsgebühren
- ✓Porto, Telefon, Bürokosten
- ✓Nicht umlegbares Hausgeld
- ✓Instandhaltungsrücklage (tatsächliche Ausgaben)
- ✓Gebäudeversicherung
- ✓Grundsteuer (soweit nicht umgelegt)
- ✓Fahrtkosten zur Immobilie (0,30 €/km)
- ✓Anzeigenkosten für Mietersuche
- ✓Prozesskosten bei Mietstreitigkeiten
- ✓Abschreibung auf Einbauküche (10 Jahre)
4. Verluste aus Vermietung steuerlich nutzen
Wenn deine Werbungskosten höher sind als deine Mieteinnahmen, entsteht ein steuerlicher Verlust aus Vermietung und Verpachtung. Dieser Verlust wird mit deinen anderen Einkunftsarten verrechnet — in der Praxis meist mit dem Gehalt. Das senkt dein zu versteuerndes Einkommen und damit die Steuer auf dein Gehalt.
Das klingt zunächst nach einem schlechten Ergebnis, ist aber oft kalkuliert: Wer eine Immobilie in einer guten Lage mit langfristiger Wertsteigerung kauft, nimmt in den ersten Jahren bewusst einen negativen Cashflow in Kauf — und lässt das Finanzamt mitfinanzieren.
5. Spekulationsfrist: Steuerfreier Verkauf nach 10 Jahren
Der vielleicht mächtigste Steuervorteil für Immobilieninvestoren in Deutschland: Wenn du eine vermietete Immobilie nach mindestens 10 Jahren Haltedauer verkaufst, ist der gesamte Veräußerungsgewinn steuerfrei — egal wie hoch er ist.
Beispiel: Du kaufst eine Wohnung für 200.000 € und verkaufst sie nach 11 Jahren für 320.000 €. Der Gewinn von 120.000 € bleibt komplett steuerfrei. Das macht Immobilien gegenüber anderen Kapitalanlagen (Aktien, ETFs) steuerlich einzigartig.
Die Frist beginnt mit dem Notartermin (Kaufdatum) und endet mit dem Verkaufsnotartermin. Bei Schenkungen und Erbschaften zählt die Haltedauer des Vorbesitzers mit.
Ausnahme bei Selbstnutzung: Wenn du die Immobilie im Jahr des Verkaufs und in den beiden Vorjahren selbst bewohnt hast, entfällt die 10-Jahres-Frist vollständig — der Gewinn ist dann sofort steuerfrei.
6. Renovierung & Instandhaltung: Was wann absetzbar ist
Renovierungskosten werden steuerlich in zwei Kategorien eingeteilt — und die Unterscheidung hat erhebliche Auswirkungen auf wann du den Steuervorteil erhältst:
Sofort absetzbar (Erhaltungsaufwand)
- ✓ Reparaturen (Heizung, Fenster, Dach)
- ✓ Schönheitsrenovierungen (Streichen, Tapezieren)
- ✓ Ersatz gleichartiger Bauteile (z.B. neue Badewanne)
- ✓ Modernisierungen ohne Substanzverbesserung
Nur über AfA absetzbar (Herstellungskosten)
- ! Wesentliche Verbesserungen (neue Standardklasse)
- ! Anschaffungsnahe Kosten: >15% des Gebäudewerts in 3 Jahren
- ! Erweiterungen (Anbau, neue Räume)
- ! Erneuerung von 3+ Kernelementen (Bad, Heizung, Fenster, Elektrik)
Die 15%-Grenze gilt für die ersten 3 Jahre nach dem Kauf — ein häufiger Fallstrick bei der Sanierung frisch gekaufter Objekte.
7. Rechenbeispiel: So viel sparst du wirklich
Nehmen wir eine konkrete Wohnung durch — und rechnen, was das Finanzamt übernimmt.
Beispielrechnung: Wohnung in Hannover
Das Finanzamt übernimmt über 4.000 € der Kosten — trotz negativem Cashflow ist der effektive Aufwand deutlich geringer als er erscheint.
8. Häufige Fragen
Was kann ich als Vermieter von der Steuer absetzen?
Die wichtigsten Posten: AfA auf den Gebäudewert (2–3% p.a.), alle Kreditzinsen, nicht umlegbare Hausgeld-Kosten, Verwaltungsgebühren, Versicherungen, Instandhaltung, Steuerberatungskosten und Fahrtkosten zur Immobilie.
Wie hoch ist die AfA bei Immobilien 2026?
Bestandsgebäude (Baujahr bis Ende 2022): 2% pro Jahr auf den Gebäudewert. Neubauten (Fertigstellung ab 1. Januar 2023): 3% pro Jahr. Der Gebäudewert ergibt sich aus dem Kaufpreis abzüglich des Grundstücksanteils.
Was ist die Spekulationsfrist bei Immobilien?
Nach 10 Jahren Haltedauer ist der Verkaufsgewinn einer vermieteten Immobilie steuerfrei (§ 23 EStG). Bei selbstgenutzten Immobilien entfällt die Frist ganz — der Verkaufsgewinn ist immer steuerfrei.
Kann ich Verluste aus der Vermietung steuerlich geltend machen?
Ja — Verluste aus Vermietung und Verpachtung werden direkt mit anderen Einkünften (z.B. Gehalt) verrechnet und senken die Steuerlast im laufenden Jahr.
Sind Renovierungskosten bei Vermietung absetzbar?
Laufende Instandhaltungskosten sind sofort absetzbar. Größere Modernisierungen können je nach Umfang als anschaffungsnahe Herstellungskosten eingestuft werden und müssen dann über die AfA-Laufzeit abgeschrieben werden. Die Grenze liegt bei 15% des Gebäudewerts in den ersten 3 Jahren nach dem Kauf.
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