IRR einfach erklärt: Was der Internal Rate of Return bei Immobilien wirklich aussagt
Der IRR ist die wichtigste Kennzahl für die Gesamtrentabilität einer Immobilieninvestition. In diesem Ratgeber lernst du, was er bedeutet, wie er berechnet wird und wie du ihn richtig interpretierst.
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Was ist der IRR?
IRR steht für Internal Rate of Return, auf Deutsch „Interner Zinsfuß". Es ist eine Kennzahl aus der Finanzmathematik, die die durchschnittliche jährliche Verzinsung einer Investition angibt. Der entscheidende Unterschied zu einfacheren Kennzahlen wie der Mietrendite: Der IRR berücksichtigt den Zeitwert des Geldes. Das bedeutet, ein Euro heute ist mehr wert als ein Euro in zehn Jahren, weil er in der Zwischenzeit angelegt werden könnte.
Technisch formuliert ist der IRR der Zinssatz, bei dem der Kapitalwert (NPV, Net Present Value) aller Zahlungsströme einer Investition gleich null wird. Stell dir vor, du legst heute 50.000 Euro an und erhältst über 20 Jahre regelmäßige Zahlungen zurück plus einen großen Betrag am Ende. Der IRR ist dann der Zinssatz, den ein hypothetisches Sparkonto haben müsste, um bei gleicher Einzahlung die gleichen Auszahlungen zu liefern.
Warum ist der IRR so wichtig für Immobilieninvestoren?
Bei einer Immobilieninvestition fließen über viele Jahre unterschiedliche Beträge in verschiedene Richtungen. Am Anfang steht eine große Ausgabe (Eigenkapital plus Kaufnebenkosten). Dann folgen monatliche Einnahmen und Ausgaben (Miete minus Rate minus Hausgeld). Und am Ende steht idealerweise ein Verkaufserlös, der deutlich über dem ursprünglichen Kaufpreis liegt.
Die einfache Mietrendite kann dieses komplexe Bild nicht abbilden. Sie zeigt nur eine Momentaufnahme. Der IRR hingegen verdichtet alle Zahlungsströme über die gesamte Haltedauer in eine einzige, vergleichbare Zahl: die durchschnittliche jährliche Rendite auf dein eingesetztes Eigenkapital.
Der IRR an einem konkreten Beispiel
Nehmen wir eine Eigentumswohnung in Dresden. Kaufpreis: 200.000 Euro. Kaufnebenkosten (Sachsen, 5,5% Grunderwerbsteuer plus Notar/Grundbuch/Makler): ca. 22.000 Euro. Du bringst 20 Prozent Eigenkapital plus die Nebenkosten mit, also 62.000 Euro. Die restlichen 160.000 Euro finanzierst du mit einem Bankdarlehen. Mehr zu den Finanzierungsoptionen findest du in unserem Finanzierungsratgeber.
Die Wohnung wird für 850 Euro kalt vermietet. Nach Abzug der Annuität (733 Euro) und des nicht umlegbaren Hausgeldes (50 Euro) bleiben im ersten Jahr monatlich rund 67 Euro Cashflow. Über 20 Jahre steigt die Miete um 2 Prozent jährlich. Am Ende verkaufst du die Wohnung mit 50 Prozent Wertsteigerung für 300.000 Euro und tilgst die Restschuld.
Aus diesen Zahlungsströmen berechnet der IRR eine jährliche Rendite von etwa 9 Prozent. Das bedeutet: Dein Eigenkapital hat sich so verzinst, als hättest du 62.000 Euro auf ein Konto mit 9 Prozent Jahreszins gelegt.
IRR interpretieren: Richtwerte für Immobilien
IRR unter 3%
Unterhalb von Festgeldniveau – die Investition lohnt sich kaum.
IRR 3–6%
Vergleichbar mit einem breit gestreuten Aktienportfolio. Akzeptabel, aber nicht herausragend.
IRR 6–10%
Gute bis sehr gute Immobilieninvestition. Die Mehrheit erfahrener Investoren bewegt sich hier.
IRR über 10%
Exzellent. Typischerweise nur bei günstigem Einkauf oder starker Wertsteigerung erreichbar.
IRR vs. Mietrendite: Wann welche Kennzahl?
Beide Kennzahlen haben ihre Berechtigung, aber für unterschiedliche Zwecke:
- Bruttomietrendite: Schneller Filter bei der Immobiliensuche. Unter 3% ist positiver Cashflow schwierig.
- Nettomietrendite: Besserer Vergleich zwischen ähnlichen Objekten, weil Kosten einbezogen werden.
- IRR: Die finale Entscheidungskennzahl für die Gesamtrentabilität von Kauf bis Verkauf.
Was beeinflusst den IRR am stärksten?
- Kaufpreis: Der größte Hebel – jeder Prozent günstiger eingekauft verbessert den IRR direkt.
- Wertsteigerung: Zweitgrößter Faktor, da der Verkaufserlös erheblichen Anteil am Gesamtergebnis hat.
- Eigenkapitalquote: Weniger EK = höherer IRR (Leverage-Effekt), solange Objektrendite über Darlehenszins liegt.
- Laufende Cashflows: Miete, Hausgeld, Zinssatz beeinflussen den IRR ebenfalls, aber weniger stark.
Schwächen des IRR – und wie du damit umgehst
Der IRR unterstellt, dass alle Rückflüsse zum gleichen IRR-Zinssatz wiederangelegt werden. In der Praxis ist das selten möglich. Diese sogenannte Wiederanlageprämisse führt dazu, dass der IRR die tatsächliche Rendite tendenziell leicht überschätzt.
Für die Praxis empfiehlt es sich, den IRR als relative Vergleichsgröße zu betrachten und mehrere Szenarien durchzurechnen: Was passiert bei 0% Wertsteigerung? Bei 50%? Bei 100%?